Sasi goes Down Under

 
08Juni
2014

Alice, wir kommen!!!

Und auf ging's in Richtung Red Centre, der typisch roten Mitte Australiens. Hierhin hatten Julia und ich nach wochenlangem Leben im Auto nun eine dreitägige Tour von Darwin nach Alice Springs sowie eine weitere dreitägige Tour zum Uluru, Kata Tjuta und zum Kings Canyon gebucht
Nachdem, an das wir uns nun die letzten Wochen über gewöhnt hatten, war diese Art des Reisens natürlich der pure Luxus.
Für unsere erste Tour wurden wir etwas unpünktlich (wir sind nun mal in Australien) direkt bei unserem Hostel von Adam abgeholt, unserem Tourguide für die nächsten drei Tage. Adam war ein ca 25-jähriger bärtiger Aussie aus Alice Springs, der sich tierisch dafür begeisterte Touristen sein Land näher zu bringen.
Nachdem wir die anderen 6 Mädels von ihren Hostels abgeholt hatten, konnte es auch schon losgehen. Wir hatten großes Glück, dass wir eine verhältnismäßig kleine Gruppe waren. Da unser Bus nämlich für 24 Mitfahrer ausgelegt war, hatte jede von uns eine komplette Sitzreihe für sich, sodass wir uns auf der langen Fahrt auch mal gemütlich ausstrecken konnten um ein kleines Nickerchen zu halten. Und noch eine Sache, über die vor allem Julia und ich uns unglaublich doll gefreut haben: Endlich mal waren keine anderen Deutschen an Board. Es grenzt in Australien zwar an ein Wunder, wenn man als Deutsche drei Tage lang mal keinen Landleuten begegnet, aber es tut wirklich auch mal ganz gut!
Stattdessen kamen unsere Mitreisenden von überall auf der Welt her: England, Wales, Frankreich, Hongkong und Amerika. Wir waren wirklich eine super Truppe und hatten zusammen eine Menge Spaß!
Da die Strecke von Darwin nach Alice, wie die Australier liebevoll zu sagen pflegen, knapp 1500 km beträgt und dazu noch nicht wirklich viele touristische Attraktionen zu bieten hat (mal von einer Menge roter Erde abgesehen) , mussten wir also eine ganz schön lange Fahrt hinter uns bringen.
An einigen Punkte hielten wir dann schlussendlich allerdings doch an. Unser erster Stop hieß Katherine Gorge, wo zumindest Julia und ich ja bereits einige Tage zuvor schon mit Chychia und Rebekka angehalten hatten. So kamen wir nun also wenigstens doch noch zu unserem erneuten Schwimmen unter einem Wasserfall, sowie zu einer weiteren Wanderung zum Aussichtspunkt in der Schlucht. Nach einem eigens für uns zubereiteten Mittagessen (es gab Sandwiches mit Wurst, Käse, Salat, Gurke, Tomate, Ketchup, Mayo, Sweet-Chilli Sauce...) ging es dann einige hundert Kilometer weiter zu den Mataranka Pools, einer ganzjährig ca. 35°C heißen Quelle inmitten von subtropischem Regenwald. Dort wäre es eigentlich wunderschön gewesen. Doch, da wo Wasser ist, und erst recht warmes, gibt es leider auch unzählige Insekten und Spinnen. Letztere hatten hier einen Durchmesser von bis zu 10 cm und hingen zum Teil gerade mal 30 cm über der Wasseroberfläche. Vorsicht war also geboten!

 

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Danach war es dann auch schon Zeit unser erstes Nachtlager anzusteuern, einer Art Luxuscampingplatz mit lauter Zweimann-“Zelten“ inklusive Fliegen- und Regenschutz, sowie Ventilator, Steckdosen und Feldbetten. Mit richtigem Camping hatte das Ganze zwar so wirklich gar nichts zu tun, doch trotzdem genossen wir alle den Luxus, der uns hier geboten wurde. Zum Dinner wurde wir dann auch noch von unserem Guide bekocht, so konnte es doch weitergehen! Es gab Knoblauchbratkartoffeln vom Grill mit Gemüse, Salat und, typisch australisch, eine Menge Fleisch.


Anschließend setzten wir uns alle zusammen und spielten-richtig!- wieder einmal eine Runde Karten. Jedoch nicht allzu lange, denn am nächsten Morgen mussten wir erneut sehr früh aufstehen. Denn unser Programm ging ohne große Verschnaufspause weiter. Heute ging es zum Lunch in einen legendären (zumindest in Australien) Outbackpub in einem kleinen Kaff namens Daily Waters. In Anbetracht der doch recht rar gestreuten Attraktionen war dieser ein wirkliches Highlight auf unserer Route. Das besondere an dieser Kneipe ist, dass so gut wie jeder Gast eine Kleinigkeit hinterlässt: von Unterwäsche, über Länderfahnen, Geldscheinen und Führerscheinen bis hin zu Trikots und alten Flipflops.

 
An unserem nächsten Zwischenstop ein paar Stunden später blieben wir angeblich nicht unbeobachtet: In Wycliff Well sollen nämlich schon das ein oder andere Mal Außerirdische gelandet sein. Meiner Meinung nach hat hier lediglich ein äußerst schlauer Outbackfarmer eine Geschichte erfunden, mit der er jetzt Touristen das Geld aus der Tasche zieht.
Anyway...Der Höhepunkt hier war allerdings ein anderer. Nachdem wir uns alle kurz umgeguckt hatten, kam plötzlich der Besitzer mit einem kleinen Babykänguru auf dem Arm, mit dem wir dann alle Photos machen durften. Für uns Mädels natürlich ein Traum!


Und dann waren wir auch schon fast in Alice Springs. Die vorletzte Attraktion hieß Devil's Marbels. Hier befinden sich mitten im roten Nichts eine Menge murmelartiger Steine von unterschiedlicher Größe und Form. Entstanden sind diese wohl, nicht wie der Name besagt aufgrund einer Racheaktion des Teufels, sondern durch Auswaschungen. Man muss sich das so vorstellen, dass durch Regenfälle, der Boden mehr und mehr aufweichte, bzw. weggewaschen wurde und was übrig blieb sind jetzt die runden Steine.
Der letzte kurze Stop nur wenige Kilometer vor Alice Springs war dann „The Tropics of Capricorn“, der südliche Wendekreis oder auch die Grenze zu den Tropen. Schnell wurden ein paar Bilder geknipst, bevor es für alle ins jeweilige Hostel ging.

Abends ließen wir die Tour zusammen gemütlich beim Abendessen ausklingen. Doch lange Zeit konnten wir alle nicht bleiben, denn schon am nächsten Tag ging es für die meisten von uns weiter zum sagenumwobenen Uluru, dem wohl berühmtesten Stein auf der Erde. Aber dazu mehr im nächsten Eintrag....

         

 

18April
2014

Perth-Darwin: vier Mädels allein im Outback (Teil 2)

So, und weiter gings...Nachdem wir die Nacht auf einem Parkplatz mit Wlan-Hotspot mitten im Outback verbracht haben (warum zum Teufel es ausgerechnet dort Internet gab, ist und bleibt schleierhaft!), ging es am Morgen in den Karinjini Nationalpark, wo man unter Wasserfällen schwimmen kann. Wir waren echt glücklich uns endlich wieder einmal waschen zu können, auch wenn es diesmal nur in einem dreckigen kleinen Süßwassertümpel war. Aber als Backpacker lernt man selbst solche Situationen zu schätzen. Dass das „Frisch Geduscht“-Gefühl zwar nicht mal eine halbe Stunde anhielt und uns stattdessen der Schweiß nur so herunterlief war dabei nebensächlich.
Dann kam auch schon Port Hedland, eine Stadt an der Küste Westaustraliens, bekannt für ihre Minenindustrie. Und je dichter wir der Stadt kamen, desto mehr von ihnen begegneten uns: die berühmt berüchtigten Roadtrains Australiens, bis zu 56m lange (!) LKWs mit nicht selten vier Anhängern. Und damit nicht genug: Manches Mal fahren diese ziemlich langsam, woraus sich ergibt, dass man diese natürlich überholen möchte, um ihnen nicht drei Stunden durch die Einöde hinterherdackeln zu müssen. Überall an den Straßenrändern stehen in diesen Gegenden auch immer wieder Schilder, dass, wenn man eines dieser Gefährte überholen will, man die Straße mindestens einen Kilometer weit überblicken können sollte. Das ist auch wirklich zu empfehlen, denn man unterschätzt deren Länge nur allzu leicht. Doch wenn dann alles frei ist, geht es auch schon los. Jedoch ist dieses mit keinem in Deutschland bekannten Überholmanöver vergleichbar, denn er dauert sagen wir eine gefühlte Ewigkeit. Doch das Gefühl, wenn man das Monster dann erst mal überholt hat, ist schon gewaltig, so etwa als hätte man grade gegen den Roadtrain gewonnen. Auf der anderen Seite kann einem dieser von Zeit zu Zeit auch ganz schön nützlich sein, später mehr dazu.
Nun kam also Port Hedland. Nachdem wir am Tag zuvor für über zwei Stunden stur geradeaus gefahren waren ohne auch nur einem einzigen Auto begegnet zu sein, kam nun endlich wieder die rettende Zivilisation. Schon irgendwie lustig wie man sich auf so einer „einsamen“ Reise darauf freut mal wieder Menschen zu Gesicht zu bekommen. Der erste Weg führte uns wie schon so oft ins Visitor Center, wo es diesmal sogar freies Wlan, Steckdosen und Wasserhähne zum Auffüllen unserer Wasservorräte gab. Mit anderen Worten: Wir fühlten uns so etwa wie im Paradies. Den gesamten Nachmittag verbrachten wir dann in einem Park beim Strand, jede mit einem Buch, Ipod, Tagebuchschreiben oder einfach schlafen. Gegen Abend fuhren wir mal wieder in einen Supermarkt, was ehrlich gesagt jedes Mal aufs Neue als ziemlich großes Highlight des Tages gewertet wurde. Und schon begann die für Backpacker so typische Jagd nach Schnäppchen. Dieses Mal hatten wir sogar unglaubliches Glück: Es gab 24 Würstchen für gerade einmal 6 $! Also veranstalteten wir kurzerhand ein gemütliches Barbecue am Strandübergang, an einem der unzähligen Gasgrills, die in so ziemlich jeden australischen Park zu finden sind und für die öffentliche Benutzung kostenlos zur Verfügung stehen. Danach ging es für uns alle zur ersten Dusche nach schon wieder 5 Tagen, für 1,80 im örtlichen Schwimmbad. Der Bademeister fing breit an zu grinsen und versuchte auch gar nicht dieses zu verstecken, als wir ihm zu viert mit unseren Plastiktüten, vermutlich nicht mehr ganz frisch riechend, erklärten, wir wollten nicht Schwimmen gehen, sondern lediglich die Duschen benutzen. Echt schön, wenn man von Zeit zu Zeit mit seinem verrantzten Auftreten Leuten doch noch den Tag versüßen kann.
Dort lernten wir dann auch gleich ein ehemaliges deutsches AuPair kennen, die wir dann kurze Zeit später mit zu ihrem Reitstall nahmen, weil sie ansonsten hätte zu Fuß laufen müssen. Und als Dank dafür, durften wir dann nachts sogar auf dem Gelände unser Lager aufschlagen und mussten somit mal ausnahmsweise nicht fürchten vom Ranger beim Wildcampen erwischt zu werden. Als um 5 Uhr die Wolken wieder lila wurden, waren auch wir wach und so gab es noch einmal Frühstück mit Ausblick aufs Meer, bevor wir uns auf den Weg Richtung Broome machten. An diesem Tag lagen wieder einmal über 600 km und eines der aufregendsten Ereignisse der gesamten Reise vor uns. Davon ahnten wir zuerst jedoch nicht das Geringste. Als sich gegen späten Nachmittag der Himmel allerdings zunehmend verdunkelte und die Wiesen rechts und links der Straße mehr und mehr unter Wasser standen, schwante uns nichts Gutes. Und dann dauerte es auch nicht mehr lange bis kam, was uns schon mehrere Leute vorher angekündigt hatten: Die Straße stand bis zu 29 cm unter Wasser und es gab keine Alternativroute um ans Ziel zu gelagen. Da standen wir nun also, vier naive, deutsche Mädels mit ihrem tiefliegenden Holden Commodore (in Deutschland auch Opel Astra genannt). Aber wir hatten ja keine Wahl. Von der Autovermietung wurden wir zwar bei Abholung des Autos extra darauf hingewiesen, dass wir auf gar keinen Fall durch Wasser fahren dürften, aber was sollten wir sonst tun. Es ist nun mal aktuell Regenzeit und da kann es schon mal mehrere Tage dauern, bis eine solche Straße wieder trocken fällt. Also setzte ich mich nach kurzer Betrachtung des Hindernisses und einigem Hindurchwaten hinters Steuer und fuhr ganz langsam. Nach ca. 500 Metern hatten wir diese Überschwemmung dann auch ohne weitere Zwischenfälle gemeistert. Allerdings war das leider noch lange nicht die schlimmste Stelle. Als wir wenige hundert Meter vor dem nächsten überfluteten Straßenstück standen, kam glücklicherweise einer der bereits beschriebenen Roadtrains. Als uns sein Fahrer erblickte hielt er an und grinste ebenso amüsiert wie tags zuvor der Bademeister. Irgendwas schienen wir an uns zu haben, was die Leute echt erheiterte. Na ja, auf jeden Fall bot er sofort seine Hilfe an und meinte, am sichersten würden wir durch das Wasser kommen, wenn wir direkt hinter ihm her fahren würden, da er mit seinem großen Gefährt das Wasser ja schon zu Seite drücken würde. Gesagt, getan....Auf dieser Strecke kam uns nun auch noch eine weitere Gruppe Backpacker mit ihrem kleinen Auto entgegen. Allerdings hatten diese es ein wenig intelligenter angestellt: Lediglich der Fahrer hatte das Wassser im Auto durchquert. Um an Gewicht zu sparen und somit das Auto nicht ganz so tief liegen zu lassen, liefen die drei anderen zu Fuß mit ihren Backpacks auf dem Rücken. Und gerade in dem Moment als wir an ihnen fröhlich winkend vorbeifuhren, passierte es: ein nicht einzusehendes Schlagloch mitten in der Straße. In dem Moment dachte ich einfach nur noch, jetzt würde das Auto steckenbleiben, mein Herz war kurz vorm Kollaps und die anderen waren nur noch hysterisch am Schreien.
Nach insgesamt fünf dieser Überflutungen war es dann doch geschafft. Wir waren alle kurz vorm Heulen, nur noch am Zittern und Jubeln. Die Leute, die zum Teil sogar schon mit einem Kayak auf der Straße angefangen hatte rumzupaddeln, jubelten uns alle zu und ich veranstaltete kurzerhand ein Hupkonzert, um mich bei unserem „Lebensretter“ zu bedanken. Da es nun auch schon fast anfing zu dämmern, fuhren wir schnell noch die letzten 30 km bis nach Broome, wo wir bei einer Dose Milchreis am Strand, den wahrscheinlich umwerfendsten Sonnenuntergang unseres bisherigen Lebens genießen konnten. Da wir wieder einmal nicht in der Nähe eines kostenlosen Campingspots waren, entschieden wir uns spontan dazu unter freiem Himmel am berühmten Cable Beach zu schlafen.
Und dann war es auch schon so weit: Meinen 20. Geburtstag würde ich in Broome feiern. Zur Feier des Tages gönnten wir uns alle ein Frühstück bei McDonalds, inklusive Schokomuffin und dem ersten Kaffee seit Perth, meine Güte war das gut! So konnte es ruhig weitergehen. Und das tat es auch: Nachdem wir vormittags durch die geradezu lächerliche Chinatown gelaufen waren, gingen wir zum Lunch bei Subway essen. Doch das Highlight des Tages war eindeutig der Abend. Broome ist dafür bekannt, dass man zum Sonnenuntergang am Cable Beach auf Kamelen reiten kann. Und das taten wir dann auch. War zwar nicht ganz günstig, aber 20 wird man nunmal nicht jeden Tag. Und was soll man sagen? Für mich persönlich hat sich jeder einzelne Cent gelohnt.
Nach einer ziemlich unbequemen Nacht, mal wieder zu viert im Auto, ging es am nächsten Morgen dann weiter landeinwärts in Richtung Grenze zum Northern Territory. An einem der wenigen Roadhouses auf dem Weg lernten wir zwei estnische Backpacker kennen, die uns netterweise ein paar CDs aus ihrer Sammlung schenkten. Das wurde auch langsam höchste Zeit, denn Nickelback hing uns langsam echt zum Halse raus. Von nun an hörten wir also stattdessen Musik aus den 60er Jahren. War auf jeden Fall sehr unterhaltsam.
Doch schon am nächsten Tag brauchten wir eigentlich alle mal wieder eine Dusche. Wir waren inzwischen schon ziemlich gut alles was wir so zum Leben brauchten auf den ersten Blick zu entdecken (Wasserhähne, Lebensmittelschnäppchen, öffentliche Duschen, gute Übernachtungsplätze, an die bestimmt niemals ein Ranger kommt...). Doch dann, in einer kleinen Stadt namens Kununarra nahe der Grenze zum Northern Territory gab es absolut nichts zu entdecken. Also fragten wir auf einem verlassenen Parkplatz den besagten Ordnungshüter, ob er nicht irgendeinen Platz wüsste, wo wir uns kostenlos waschen könnten. Und, wer hätte es gedacht, dieser fing nur an zu grinsen und fragte fast schon verständnislos, warum wir nicht einfach in die Sanitäranlagen des örtlichen Flughafens gingen. Gesagt, getan! Keine 10 Minuten später sah man uns vier Mädels, jede mit einer Plastiktüte in der Hand, durch den Provinzairport laufen. Dass wir dabei aus irgendeinem Grund von wirklich jedem angeglotzt wurden als hätten die noch nie einen Backpacker gesehen, störte uns genauso wenig wie das Schild in der Dusche, dass diese nur von Fluggästen zu benutzen sein. Der Ranger höchst persönlich hatte uns schließlich dorthin geschickt, also war das schon ok.
Im Anschluss daran ließ das nächste Highlight auch wieder nicht lange auf sich warten. Direkt vor der Grenze zwischen Western Australia und dem Northern Territory machten wir noch einen kurzen Abstecher zum Lake Argyll, dem größten künstlich angelegten Süßwasserstausee der südlichen Hemisphäre. An sich nicht besonders spannend, wenn man bedenkt was ich sonst schon alles auf diesem Kontinent gesehen habe. Allerdings warnte uns die Frau in der Tourist Information davor auf der einen Seite der Staumauer schwimmen zu gehen, da es dort Süßwasserkrokodile geben solle. Also nichts wie hin, das wollten wir dann doch sehen. Viel Hoffnung tatsächlich welche zu sehen hatten wir zwar nicht, aber ein Versuch war es dennoch wert. Und siehe da, kaum hatten wir unser Auto geparkt und waren auf dem Weg zum See, schon wuchtete sich ein bestimmt drei Meter langes Krokodil zurück zu seinen Artgenossen ins Wasser. Wow!
Die Nacht danach lernten wir dann mal wieder einen typischen Australier kennen. Sein Name war Bruce. Er war geschätzte 65 Jahre alt und hat bei unserem zufälligem Aufeinandertreffen nicht nur seine komplette Lebensgeschichte erzählt, sondern bei dem Anblick unseres Abendessens (Reis mit Dosenthunfisch) auch noch seine frisch gekochte Bolognese mit uns geteilt. Anschließend wurde dann auch noch der härtere Stoff ausgepackt. Er verschwand kurzzeitig in seinem Camper und kam schon bald mit einer Flasche Baileys zurück, mit der Aussage, er wäre kein großer Fan von Frauendrinks.
Nachdem er dann irgendwann nach dem ein oder anderen Bier doch reichlich angetrunken war, verabschiedete er sich und wir bequemten uns mit einer Runde Kartenspiel ins Zelt. Das war seit geraumer Zeit, neben sagen wir mal unzähligen „Schwänken aus unserem Leben“, durch die wir uns immer mehr kennenlernten, eine nahezu alltägliche Abendbeschäftigung. Was soll man sonst auch wochenlang mitten im Outback ohne Internet, geschweige denn nur Handynetz, mit seinem Abend anstellen.
Von diesem Punkt aus, gab es auf unserer knapp 6000 Kilometer langen Reise durch halb Australien lediglich noch zwei nennenswerte Punkte abzuarbeiten: den Kakadu und den Litchfield Nationalpark.
Da aufgrund der Wetsaison viele Straßen im scheinbar äußerst beeindruckenden Kakadu Nationalpark gesperrt waren, hatten wir diesen in nicht mal einem Tag abgearbeitet. Und schon ging es mal wieder an die Schlafplatzsuche. Also steuerten wir den nächsten ausgeschilderten Stellplatz an und setzten uns mit unserer Dose Spaghetti an den Rand eines ziemlich großen Wetlands, ohne großartig nachzudenken. Doch da wo Wasser ist, sind tausende von Mücken auch nicht weit. Und so kam es, dass wir innerhalb von nicht mal zwei Minuten von Kopf bis Fuß komplett zerstochen waren und uns wild um uns fuchtelnd auf der Flucht in Richtung Zivilisation befanden.
Nach einer vorerst letzten Nacht im Auto ging es für uns dann noch in den Litchfield Nationalpark, einem Feuchbiotop mit unzähligen Wasserfällen, wilden Flussläufen und leider an diesem Tag auch einer Menge Regen. Aber so viel Sonne, wie wir die letzten drei Wochen bekommen hatten, machte uns das auch nicht sonderlich viel aus. Im Gegenteil: In Hamburg wahrscheinlich kaum denkbar, aber über den ersten Regen nach 4 Monaten freut man sich doch.

Und schon ging es die letzten Kilometer nach Darwin, wo wir uns nach drei Wochen „on the road“ von unserem guten wegbegleiter „Herbie“ trennen mussten, weil nun jemand Anderes an der Reihe war sein Abenteuer Roadtrip zu starten.
Die erste Nacht im Hostel, mit eigenem Bett, Kissen anstatt ausgestopfter Schlafsackhülle, Dusche, Kühlschrank im Zimmer, Küche mit Strom und fließend Wasser, sowie Aircondition war einfach himmlisch. Ja, das Outback hatten wir vorerst hinter uns gelassen. Allerdings nur für wenige Tage, denn der nächste Stop hieß schon bald Alice Springs!

 

13Februar
2014

Perth-Darwin: vier Mädels allein im Outback

 

So, zuerst einmal, wir leben noch.... Und bis jetzt haben wir uns auch gar nicht mal so schlecht geschlagen.

Aber bevor ich zu dem Beginn unserer Reise komme, möchte ich vorerst noch von unserer ersten Couchsurferfahrung berichten. Da wir nämlich am Freitag auf der Farm in den Perth Hills ausziehen mussten und für eine Nacht nicht noch ca. 30 $ für ein Hostel bezahlen wollten, entschieden wir uns für diese Art von Unterkunft. Für alle diejenigen, die mit diesem Begriff nicht so viel anfangen können, erstmal eine kleine Erklärung: Couchsurfing ist eine Art Internetcomunity, bei der Leute auf der ganzen Welt ihre freien Betten zuhause für Reisende als kostenlose Art der Unterkunft anbieten, sprich man wohnt mit den Gastgebern zusammen in deren Haus.

Wir entschieden uns für Joe, einem geschiedenen Geschäftsmann, der alleine in einem kleinen Haus direkt am Swan River wohnt. Ich schrieb ihm also eine Email und keine Stunde später antwortete er, dass zwar gerade noch ein anderes Backpackerpärchen bei ihm sei, er sich aber trotzdem über unsere Gesellschaft freuen würde. Das klang doch schon mal nett....Also fuhren wir am Freitag mitsamt unseren randvollen Backpacks in die City und von da aus mit dem Bus zum Ziel.

Als wir ankamen, war Joe noch auf der Arbeit und nur seine anderen beiden Gäste zuhause. Man muss sich das mal vorstellen, da lässte ein Mensch vier wildfremde Menschen in sein Haus während er auf der Arbeit ist. Was seine Philosophie dahinter ist, würden wir später hoffentlich noch erfahren.

Jetzt hieß es erst mal unsere Mitbewohner kennenlernen, einen Engländer und einer Französin. Später war unser Plan noch ein letztes Mal nach Fremantle zu fahren um uns ein bisschen was für die bevorstehende Reise zu besorgen. Und da die anderen beiden erstens ein Auto hatten und zweitens ebenfalls auf der Suche nach einem Job dorthin fahren mussten, nahmen sie uns kurzerhand mit.

Als wir gegen frühen Abend zurückkamen, dauerte es auch gar nicht mehr lange bis auch der Gastgeber kam. Schon am Morgen hatte er uns eine kleine Überraschung bereitet: Er wollte abends für die anderen zwei kochen und bot sich an, auch für uns ein bisschen was mit zuzubereiten. Das sagt man doch nicht „nein“!

Da stand nun also Joe, ein Mitvierziger, eben noch im Anzug, jetzt in zerschlissenen Shorts und einer Art Tanktop und bereitete mit unserer Hilfe, Kingprawns, Steak, Salat, gefüllten Pilzen, und Kartoffelpüree. Das war doch mal eine äußerst anständige Henkersmalzeit. Und genauso vielversprechend wie der Abend begann, ging er auch weiter. Nach dem Abendessen saßen wir noch auf die ein oder andere Flasche Wein zusammen und erzählten uns gegenseitig Anekdoten aus unseren Leben. Dann fing Joe irgendwann an die lustigste Geschichte zu erzählen, die er auf Reisen bisher erlebt hatte und im Anschluss daran waren dann auch alle anderen an der Reihe. Ich muss sagen, ich hab mich seit Langem nicht mehr so amüsiert.

Nach einem ausgiebigen Frühstück mit dem besten Omelett, was ich jemals gegessen habe, ging es am nächsten Morgen mit privaten Lift zur Autovermietung, wo wir nun auch endlich Chynchia und Rebekka, unsere beiden Reisepartnerinnen, die wir bisher nur über Facebook kannten. Und schon konnte es losgehen... Unser erster Stop nach dem Supermarkt waren die Pinnacles, wo ich ja bereits im Oktober mit meiner Gastfamilie gewesen war. Anschließend ging es nach Kalbarri an die roten Felsen, von deren Kante man direkt aufs Meer gucken und wenn man so viel Glück hat wie wir, sogar Delfine beim Fischen beobachten kann. Danach fuhren wir noch zum Natural Window. Der einzige Weg dahin führt allerdings über eine ungeteerte, ca. 14km lange Schotterpiste, was mit einem ganz normalen Stationwagon zu einer echten Herausforderung werden kann. Hinzu kam noch, dass in der Schlucht so ungefähr 50°C herrschten. Aber gelohnt hat es sich auf jeden Fall. Und schon ging es weiter zu unserem ersten Schlafplatz. Diesen hatten wir aus einem Campingführer, in dem kostenlose Stellplätze in ganz Australien aufgelistet sind. Dort gibt es dann zwar häufig weder fließend Wasser, noch eine feste Toilette, aber man spart eine Menge Geld.

Am nächsten Morgen ging es dann schon rechtzeitig weiter nach Monkey Mia, zum Harmelin Pool, zur Shark Bay, Shell Beach und nach Denham. Hier gab es nun das erste so richtig blaue Wasser unserer Reise. Ansonsten ist hier eigentlich noch nicht viel Spannendes passiert.

Das änderte sich dann am nächsten Tag, wo wir erst einen Zwischenstop in Carnavon einlegten, endlich mal wieder eine einigermaßen große Stadt, nach 3 Tagen ohne Kontakt zu irgendwelchen Menschen doch ganz angenehm.

Das schönste Erlebnis des Tages jedoch war, nach dem ersten Schnochelgang unseres Trips die erste Dusche seit 5 Tagen. Das war echt unglaublich schön! Überhaupt ist es schon erstaunlich wie die eigenen Ansprüche herabgeschraubt werden. Wir sind inzwischen seit 6 Tagen unterwegs, haben nur einmal geduscht, jeden Tag wild gezeltet und unser Essen besteht morgens aus Toast mit Marmelade, Peanutbutter oder Nutella, Mittags gibt’s Obst, dazu trockene Cornflakes und abends wahlweise Salat mit Thunfisch und einer Sorte Rohkost oder Nudeln/Reis mit Tomatensoße. Aber ehrlich gesagt gewöhnt man sich doch ganz schnell daran. Genauso geht es uns mit dem Tagesrythmus. Da wir täglich von der Sonne geweckt werden und nach Sonnenuntergang nur noch Taschenlampen haben, stehen wir meistens so um kurz nach 6 Uhr auf und gehen um 9 Uhr wieder schlafen. Und das im Urlaub, freiwillig!

Aber ich schweife gerade ein bisschen ab...Also gut, weiter gings nach Exmouth wo wir vorbei an mannsgroßen Thermitenhügeln vorbei zum Ningaloo Reef fuhren, wahrscheinlich eines der Highlights auf dem langen Weg. Dort legten wir endlich mal einen richtig schönen Strandtag ein. Allein schon der Name des Strandes klingt wie Musik: Turquoise Bay. Dieser liegt direkt am Ningaloo Reef, d.h. man kann vom Strand aus losschnorcheln und sieht die buntesten Fische und Korallen, unglaublich schön!! Sowas muss man wirklich mit eigenen Augen gesehen haben, sonst kann man sich das gar nicht vorstellen. Im Prinzip sah das Ganze schon ein bisschen aus wie bei Nemo. Sogar einige der bunten Fische aus dem Aquarium in der Zahnarztpraxis waren dort zu finden. Aber der schönste war eindeutig ein ca. 50 cm langer türkis/lila Fisch mit einer Art orangenem Labyrinth auf der Nase.

Abends hatten wir dann eine Schildkrötentour gebucht. Im Moment ist in Exmouth Brutzeit und man kann nachts an den Stränden mit ein bisschen Glück sowohl Schildkröten beim Eierlegen, als auch die kleinen beim Schlüpfen beobachten.

Und dieses hatten wir dann auch tatsächlich: Nachdem wir zusammen mit zwei Rangern nach einer kleinen Einführung eine knappe halbe Stunde im Sand gesessen hatten und auf das Nest starrten, schlüpften doch tatsächlich drei kleine Wasserschildkröten und krabbelten Richtung Meer. Das war wirklich unglaublich niedlich, solche Erlebnisse sind echt einmalig.

 

Heute sind wir dann nach einer Nacht in Exmouth am Straßenrand den ganzen Tag gefahren um morgen in den Karinjini Nationalpark zu gehen. Ich bin mal gespannt was die nächsten Wochen noch so mit sich bringen. Bis jetzt bin ich echt zufrieden mit dem Trip und freu mich wirklich unglaublich mich entschieden zu haben diese Reise zu machen, es ist auf jeden Fall eine „Experience for a lifetime“.

 

 

 

04Februar
2014

Lang, lang ist's her, aber ich lebe noch...

 

So, nachdem ich mich ja längere Zeit mal wieder kein Lebenszeichen von mir gegeben habe, ist es nun wieder soweit. Dass der letzte Blogeintrag schon wieder einige Wochen zurückliegt hat allerdings einen oder besser gesagt zwei gute Gründe, später mehr dazu....

Anfang Dezember hatte ich endlich wieder mal ein ganzes Wochenende frei. Also hab ich es erneut versucht, einen Roadtrip nach Margaret River zu organisieren, da ich das ja nun immer noch nicht geschafft hatte. Auf meinen Post haben sich neben Nehle, die sowieso auch schon das letzte Mal mitkommen wollte, zwei weitere deutsche Au Pairs und eine Holländerin gemeldet. Leider hatte allerdings niemand von denen ein Auto, woraufhin wir eins mieten mussten. Das stellte allerdings die erste Hürde dar, denn in Australien gibt es kaum Firmen, die ihre Autos an unter 21-Jährige vermieten. Aber eine haben wir dann doch gefunden: Wicked. Das ist meines Wissens nach die größte in Australien und hat sich vor allem auf Campingfahrzeuge spezialisiert. Das war im Nachhinein jedoch gar nicht so schlecht, denn so haben wir uns automatisch die nicht gerade günstigen Hostelkosten gespart.

Als erstes mussten wir das Auto abholen. Die Karre hatte ohne Witz schon 470000 km auf dem Buckel und genauso fuhr es sich auch darin. Ich, als eine der Fahrerinnen, hatte auch gleich als erste die Ehre das erfahren. Die Gänge ließen sich nur mit äußerster Gewalt einlegen und die Beschleunigung war nahe null. Aber nach kurzer Eingewöhnungszeit wuchs uns dieses Charakterauto dann doch irgendwie ans Herz.

Am frühen Nachmittag holten wir Nehle, meine Co-Pilotin, südlich von Perth ab und los ging's. Leider hatten wir, abgesehen von einigen Adressen von kostenlosen oder günstigen Campingplätzen in der Gegend von Margaret River, uns nicht wirklich viele Gedanken gemacht, wo wir denn nachts schlafen wollten. Und sobald wir am Zielort ankamen, brach auch schon bereits die Dämmerung ein. Also mussten wir uns schnell entscheiden, denn wir wollten ja später keinen Kängurubraten an der Motorhaube kleben haben. Unsere Entscheidung entpuppte sich, nachdem wir eine halbe Stunde durch den Wald gefahren waren (z.T. sogar auf unbefestigten Wegen), als der Reinfall schlechthin. Also fuhren wir wieder zurück. Zu der Zeit, als wir ankamen, hatte jedoch keiner der „normalen“ Campingplätze mehr geöffnet und somit standen wir vor einem Problem. Einige von uns waren schon drauf und dran einfach eine Nacht im Hostel zu verbringen, aber als wir einen der Manager gefragt haben, ob wir nicht mit unserem Auto einfach vor deren Eingang parken könnten, meinte der nur, das ginge, solange wir uns nicht von der Polizei erwischen lassen würden. Und so kam es, dass wir mitten in der Stadt einfach mal wild gecampt haben, zu fünft in einem Campervan ähnlich wie ein ganz gewöhnlicher kleiner VW-Bus. Drei von uns haben auf der ausgeklappten Rückbank geschlafen und die anderen beiden in Hängematten oben drüber. Ich muss sagen ich habe noch nie mit so vielen fremden Menschen auf derart engem Raum geschlafen, aber es war doch verhältnismäßig gemütlich. Am nächsten Tag schauten wir uns dann nach leckerem Frühstück am Strand eine Höhle und den Leuchtturm am südwestlichsten Punkt Australiens an, bevor wir dann diesmal sogar rechtzeitig unseren nächsten Schlafplatz ausfindig machten. Wir hatten uns dazu entschieden auf einen Buschcampingplatz zu gehen, wo es außer einem Plumpsklo und einigen Barbecue-Plätzen nichts gab. Aber mehr braucht man ja eigentlich auch gar nicht.

Das Wetter hielt sich leider in Grenzen, also haben wir uns alle nach dem Barbecue (inklusive unserer ersten Begegnung mit einer etwa handgroßen Huntsman-Spider) zum Abendbrot mit einer Flasche Wein ins Auto gesetzt und Karten gespielt.

 

    

 

Und kaum war ich aus dem Süden WAs zurück, gings eigentlich auch schon weiter nach Bali. Allerdings sind vorher noch zwei andere, weniger erfreuliche Dinge passiert: Kaum war ich einen Tag aus dem Süden zurück, gab erst meine Kamera ihren Geist auf, sodass ich eine neue kaufen musste. Und als wäre das nicht schon genug, ging dann eine Woche später auch noch mein PC kaputt. Ja, was jetzt?, dachte ich mir. Doch ich bin ja nun mal schon bereits seit über 6 Monaten auf mich allein gestellt, was solch komplizierten Fragen anbelangt und so fuhr ich am darauffolgenden Wochenende einfach in die Innenstadt ins Sony Center, wo ich wieder einmal aufs Neue die typisch australische Hilfsbereitschaft zu spüren bekam.

Als erstes versuchte einer der Servicemitarbeiter, die Techniker waren natürlich alle schon im Weihnachtsurlaub, den Laptop im gesicherten Modus zu starten, leider ohne Erfolg. Doch dann bot sich der Manager höchstpersönlich an, ein Backup meiner Daten auf meine externe Festplatte zu ziehen und als ich nach ein paar Stunden wiederkam, erklärte er mir nur noch schnell, wie ich das gerät zu reseten hatte und schon war das Problem gelöst. Somit hatte ich wieder ein Problem weniger...

 

Und dann kam Bali..Hierzu gibt es eigentlich nicht allzu viel zu berichten, da wir so gut wie den ganzen Urlaub am Hotelpool verbracht haben und ich dazu noch jeden Abend babysitten musste. Aber ok, einen freien Tag hatte ich dann doch. Und wie es der Zufall wollte, waren zwei andere deutsche Au Pairs, eine von ihnen wohnte sogar in Quinns Rocks, einen Tag vorher im gleichen Ort auf Bali angekommen und so machten wir alle eine private Tour über die Insel, wo wir in einem Safaripark, bei einem Vulkan, im Affenwald und in einem Tempel waren.

 

Duryan-Frucht, noch nie etwas so Ekelhaftes gegessen!!! Yumm!!   Mein balinesischer Zimmergenosse, Mr. Swan *.*

 

Pünktlich am 24.12 ging es dann wieder zurück nach Perth. Abends fand bei Tanja zuhause eine „German Christmas Party“ statt, zu der ich zusammen mit Svenja hinging. Und es fühlte sich fast ein wenig wie zuhause an: Es gab Grünkohl, Stollen, Pfeffernüsse, Lebkuchen und dadurch, dass wirklich Menschen allen Alters und aller Nationalitäten da waren, war es auch ziemlich lustig. Ich habe mich wirklich amüsiert und in dem Moment noch nicht mal wirklich das deutsche Weihnachten in meiner Familie vermisst. Das änderte sich dann allerdings als ich nach Hause kam, noch ca. 3 Stunden mit den Daheimgebliebenen skypte und sie mir dann unter die Nase reiben mussten, was für leckeres Essen wenig später aufgetischt werden würde.

 

Tja, mein australisches Weihnachten dieses Jahr lief dann doch ein bisschen anders ab: Die Kinder waren bereits um 5 Uhr wach und als ich dann um 6 Uhr auch aufgestanden bin, gabs erstmal Geschenke. Ich bekam von meinen Gasteltern einen Bikini und einen Schlüsselanhänger mit dem Symboltier Western Australias, dem Numbat.

Bevor wir nachmittags alle zu den Großeltern gingen, stand noch der an Weihnachten obligatorische Kirchenbesuch auf dem Programm. Da meine Gastfamilie katholisch war, ging es nun also auch für mich in meinen ersten katholischen Gottesdienst. Und ich war geschockt: Die Kirche war mit blauen Glitzergirlanden geschmückt, auf der „Bühne“ blinkte ununterbrochen der Weihnachtsstern, die Psalmtexte liefen dank Beamer und Powerpoint an der Wand mit und der Chor sang unglaublich schief. Zu guter Letzt war nach dem Gottesdienst dann noch draußen auf dem Sportplatz ein unfassbar unauthentischer Santa, der, nachdem er Süßigkeiten an die Kinder verteilt hatte, im Helikopter Richtung Nordpol abhob.

Auf diese Art von Weihnachten hätte ich ehrlich gesagt auch ganz gut verzichten können, dieses Erlebnis war mehr verstörend als alles andere.

Anschließend ging es dann mit allen zum wohlverdienten Christmaslunch zu den Großeltern, wo typisch britisch Turkey mit Cranberrysauce und abends fuhren wir auf dem Heimweg noch Christmaslights angucken.

 

Merry Christmas everyone! Mein Adventskalender, selbstgemacht von Tanja =)

 

Und dann war der Tag gekommen: Nach mehr als 6 Monaten würde ich heute meine Gastfamilie verlassen. Zum Abschied gab's noch einmal lecker Turkey und gegen Mittag holte mich dann Tanja ab. Die letzten Momente mit meiner Gastfamilie waren schon irgendwie ein bisschen komisch, zumal ich ja doch eine ziemlich lange Zeit mit ihnen verbracht hatte. Aber auf der anderen Seite dachte ich auch an all die anderen Abenteuer, die in den nächsten Monaten noch vor mir lagen. Und so überwiegte dann doch komischerweise die Vorfreude auf das, was noch kommen würde.

 

 

 

Zwei Tage später war es dann auch schon so weit: Das Jahr 2013 ging so langsam zur Neige. Lange Zeit hatte ich überlegt, wie ich Silvester am anderen Ende der Welt feiern wollte. Doch da Tanja mir bereits vor langer Zeit erzählt hatte, dass ich vom Feuerwerk in Perth nur enttäuscht sein würde, wenn ich es mit dem deutschen Geböller vergleichen würde, entschied ich mich zu einer Feier der ganz anderen Art: Tanja wollte, wie auch schon die letzten beiden Jahre, mit ihren Kids zu einer Rodeoveranstaltung mitten ins Outback fahren, ca. 2 Stunden nordöstlich von Perth...Warum nicht!? Also packten wir gegen Mittag unsere sieben Sachen, schmierten Sandwiches für ein Picknick und schmissen das Zelt hinten ins Auto, für den Fall, dass wir nachts nicht mehr nach Hause fahren wollten. Ich muss ehrlich sagen, ich hatte von einem Silvesterrodeo überhaupt keine Vorstellung und ich glaube genau deshalb hat es mir so gut gefallen. Dadurch, dass ich einfach komplett ohne Erwartungen dahin gefahren bin, konnte ich auch nicht enttäuscht werden.

Ich denke, ich lasse da einfach mal die Bilder sprechen...nur eins noch, wir haben uns natürlich dagegen entschieden nachts noch nach Hause zu fahren. Stattdessen gab's eine Runde Dinner for One (was ich extra auf meinen Computer geladen hatte), Tischfeuerwerk und eine Silvesternacht unter freiem Himmel, let's say it was a unique experience...

Überhaupt war ich, seit ich meine Gastfamilie verlassen hatte, erstaunlich aktiv. Ich war im Aquarium, mit Svenja auf Penguin Island, mit Svenja zweimal spontan feiern und dann kam auch schon Julia, meine Reisepartnerin, die ich bis jetzt nur über Facebook und Telefon kannte.

  Hello little fellow! Minty-Crew on Tour...

Da es mit öffentlichen Verkehrsmitteln in Perth so gut wie unmöglich ist zum Domestic Airport zu fahren, hatten wir uns darauf geeinigt, dass ich sie erst in Clarkson (der nächsten Bahnstation) abholen würde. Und kaum war sie ein paar Stunden da, kam es uns so vor als würden wir uns schon ewig kennen. Jetzt im Nachhinein haben wir beide festgestellt wie unglaublich viel Glück wir doch hatten, dass es mit uns beiden so gut passt. Immerhin haben wir ja vor gemeinsam drei Monate durch die Weltgeschichte zu reisen. Aber es funktioniert wirklich auch nach wie vor immer noch alles prima. Wir sind ein super eingespieltes Team, ob es ums Kochen, Aufräumen oder sonstige Planung geht.

 

Einmal hab ich meine Gastfamilie dann doch nochmal wiedergesehen. Kurz bevor wir Quinns Rocks schlussendlich verließen, stattete ich ihnen noch einen spontanen Besuch ab. Die Kinder wussten scheinbar vorher nicht, dass ich kommen würde und kaum sahen sie mich durch die Haustür kommen, stürmten alle drei auf mich zu und es war als wäre ich niemals weg gewesen. Den ganzen Vormittag spielten wir Uno, Verstecken und Who is it? und aßen Kuchen. Und ich glaube, dadurch, dass ich ja freiwillig nochmal zu Besuch war, war die Stimmung viel entspannter als zu der Zeit, wo ich noch Zeit mit der Familie verbringen „musste“. Auf jeden Fall war es noch einmal richtig nett alle wiederzusehen und ich hab mich echt gefreut, dass ich die Chance dazu hatte.

Allerdings musste ich gegen Mittag auch ziemlich schnell wieder nach Hause, denn abends wollten wir beim Sonnenuntergang mit ein paar Freunden eine Art Abschiedsgrillen veranstalten. Dieses war dann auch echt schön und pünktlich zum Sonnenuntergang versank dann auch die Sonne im Meer als hätte die Natur höchstpersönlich diese Szene gemalt.

 

 

 

Nachdem das Highlight am Sonntag war, dass Julia und ich in Fremantle Didgeridoo spielen gelernt haben, kam am Dienstag der nächste Ausflug. Diesmal ging es mit der Fähre nach Rottnest Island, einer wunderschönen Insel, die von Freemantle aus in nicht mal einer Stunde zu erreichen ist. Normalerweise ist es am besten die Insel per Fahrrad zu erkunden, da sie mit 11 km Länge und 6 km Breite doch nicht ganz klein ist. Wir hatten uns jedoch dagegen entschieden, da wir ja als arme Backpacker nun ziemlich aufs Geld achten mussten. Stattdessen hatten wir uns Tanjas Inline Skates mitgenommen. Und ich weiß nicht wieso, aber aus irgendeinem Grund hat es bei mir leider so gar nicht funktioniert. Julia hingegen kam jedoch gut klar und da ich praktischerweise meine Laufschuhe dabei hatte, bewegten wir uns ausgebsprochen sportlich über die Insel. Wir hatten uns eine etwa 10 km lange Strecke ausgeguckt, mit Zwischenstop an den wunderschönsten Buchten, die wir nun bei ca. 35° C langsam aber sicher abarbeiteten. Zwischendurch hielten wir zweimal an extra ausgewiesenen Schnorchelspots an und machten Bekanntschaft mit einer Brown Snake, der zweitgiftigesten Schlangenart der Welt, die sich ca. drei Meter von uns entfernt durch die Felsen schlängelte, während wir seelenruhig am Strand lagen. Aber sowas passiert einem halt schon mal in Australien. No worries, alles kein Grund zur Beunruhigung!

Didgeridoo lesson yummi, German Bread! Brown snake Quokka

Auf dem Rückweg dann die wahrscheinlich witzigste Situation des Tages: Auf der Autobahn wurden wir plötzlich von einem Auto mit Nürnberger Kennzeichen überholt.

 

Und dann hieß es auch schon Abschied nehmen von Svenja. Dieser fiel mir ehrlich gesagt schwerer als der von meiner Gastfamilie. Nach nun fast 6 Monaten, die ich sie jetzt kannte, war sie mir doch ganz schön ans Herz gewachsen. Nicht nur, dass ich ihr wirklich alles anvertrauen konnte. Dadurch, dass sie einfach so dicht beiwohnte, war sie auch immer die erste, die ich fragte, ob wir uns spontan treffen wollten. Dadurch wurde sie sozusagen zu meiner besten „australischen“ Freundin. Und ich habe echt eine Menge mit ihr erlebt, ob beim Feiern, Shoppen oder wenn wir einfach nur am Strand lagen. Sie war immer da, knapp 6 Monate lang und die gemeinsame Zeit mit ihr werde ich wahrscheinlich niemals vergessen....

Doch kaum hatte ich diese letzte Begegnung hinter mich gebracht, kam auch schon die nächste schmerzliche Verabschiedung...diesmal von Tanja. Nach nun inzwischen über 4 Monaten „german company“ in Quinns Rocks, ist sie fast so etwas wie meine „australische“ Mama und Freundin in einem geworden. Ich weiß echt nicht, wie sie das immer wieder geschafft hat, aber jedes Mal, wenn ich mit ziemlich schlechter Laune zu ihr gefahren bin, hatte ich auf dem Rückweg ein Lächeln im Gesicht. Dafür bin ich echt unglaublich dankbar und da ich weiß, dass sie im September nach Hamburg kommen wird, hoffe ich aufrichtig sie schon bald am anderen Ende der Welt wiederzutreffen!

 

Und dann begann auch schon der nächste Teil meines Abenteuers Australien. Dieser hieß Woofing in den Perth Hills auf einer Obstfarm mit angeschlossenem Restaurant. Für alle, die mit dem Wort Woofing so gar nichts anfangen können, als Woofer arbeitet man ein paar Stunden täglich für die Besitzer und bekommt dafür Essen und Unterkunft gestellt.

Genauer gesagt liegt das Core Cider House in Pickering Brook, einem sehr kleinen Dorf ca. 50 km von der Innenstadt Perths entfernt, inmitten von Wald und unberührter Natur. Wir wohnen hier in unserem eigenen Haus, zusammen mit noch ca. 4-5 anderen Woofern, wie in einer richtigen WG. Ich muss sagen, nach schon wenigen Tagen haben Julia und ich uns hier total heimisch gefühlt, was nicht zuletzt an dem wahnsinnig netten Mitarbeiterteam, der super Stimmung im Wooferhaus und dem unglaublich schönen Obstgarten mit angeschlossenem Teich liegt, durch den wir in unserer Freizeit nach Lust und Laune schlendern können um Äpfel, Pflaumen, Trauben, Zitronen und Orangen zu pflücken. Es ist echt wie im Paradies hier!

Unsere Aufgabe hier ist es von Donnerstag bis Sonntag jeweils 6 Stunden pro Tag im Restaurant mitzuhelfen, sprich Geschirr zu spülen, Tische zu decken, Essen herauszubringen, Tische abzuräumen etc.. Eigentlich machen wir immer gerade das, was so anfällt und wenn das heißt einen Eimer Zitronen zu pflücken, werden eben auch Zitronen gepflückt.

 

Sobald wir abends nach der Arbeit nach Hause kommen, wird meistens gemeinsam mit unseren Mitbewohnern gekocht. In der Regel bekommen wir einmal die Woche die Reste aus der Restaurantküche (was auch mal sündhaft teurer Fisch sein kann) und können zusätzlich noch wöchentlich eine Bestellung aufgeben.

Die Kochaufgabe bleibt meistens an uns Mädchen hängen. Als Ausgleich dafür dürfen die Jungs dann immer abwaschen, hier herrscht also perfekte Arbeitsteilung.

Dieses Abendritual ist immer äußerst gesellig und nach dem Essen sitzen wir fast täglich noch für mehrere Stunden zusammen und quatschen, schauen einfach nur den umwerfenden Sternenhimmel an oder gucken einen Film. Ich muss sagen, in der kurzen Zeit, die wir jetzt hier sind, sind wir fast so etwas wie eine kleine WG-Familie geworden.
An manchen Abenden haben wir auch schon das ein oder andere unvergessliche Erlebnis zu verzeichnen gehabt. Das Spannendste war wahrscheinlich, als plötzlich draußen unter'm Tisch ein Skorpion saß. Den haben wir dann kurzer Hand zu unserem Haustier ernannt und zusammen mit einem Käfer und einer Fliege in ein Glas gesperrt. Am nächsten Morgen hatten wir allerdings dann doch Mitleid mit den armen Tierchen und haben sie wieder frei gelassen.

Ja, wir genießen das Landleben in vollen Zügen! Happy Birthday Eva! Die vier Musketiere Was meint ihr, wie ist die Stimmung bei uns so? Skorpion Eine Fahrradtour, die ist lustig..

 

Letzte Woche waren wir vier Mädels (Eva, Jenny, Julia und ich) an einem unserer freien Tage in Perth um einfach mal wieder unter Menschen zu kommen. Und da hab ich eine unglaubliche Erfahrung gemacht, die einen echt nachdenklich werden lässt. Es hat keine drei Sekunden gedauert, dass wir eins der Kaufhäuser (vergleichbar mit Karstadt) betreten hatten und ich wollte einfach nur nach Hause, so unwohl hab ich mich in mitten des ganzen Getummels und des künstlichen Lichts gefühlt. Ich fand es doch sehr erstaunlich wie schnell man sich an so ein Leben in der Abschiedenheit auf dem Land gewöhnen kann.

Und weil es in Australien ja mehr als genug Abgeschiedenheit gibt und wir ja trotzdem immer einen Schlafplatz brauchen werden, haben Julia und ich kurzerhand ein Popup-Zelt gekauft, welches wir dann gleich im Garten aufgebaut haben. Dieser Schritt bereitete uns auch nicht die geringsten Probleme, da diese Art von Zelt sich selbst entfaltet. Das gute Stück dann allerdings wieder in die Verpackung zu stopfen, bedarf einer ganz speziellen Falttechnik, welche der Anleitung leider nicht im Geringsten zu entnehmen war. Mit anderen Worten, es kostete uns eine Menge Nerven und nicht weniger als eine Stunde, bis wir das System verstanden hatten. Aber nun sind wir für die hoffentlich bevorstehenden Nächte im australischen Outback gewappnet.

 

Im Restaurant war letzte Woche die Hölle los, um es mal ganz vorsichtig auszudrücken. Samstag waren Julia und ich zusammen in der Küche für den Abwasch eingeteilt und kaum hatten wir die Tische vormittags für den bevorstehenden Ansturm eingedeckt, ging's auch schon los. Ca. drei Stunden lang war Spülen im Akkord angesagt. Und kaum hatten wir gerade wieder alle Teller abgetrocknet, kam auch schon der nächste Riesenstapel. An dem Abend wussten wir auf jeden Fall was wir geschafft hatten. Kurz vor Dienstschluss kam dann plötzlich der Restaurantmanger in die Küche und fragte ganz verwirrt ob wir Maschinen seien oder wie wir sonst den Geschirrberg bewältigt hätten. Überhaupt wird das momentane Wooferteam immer als „hardest working woofers ever“ bezeichnet. Das erfüllt einen schon irgendwie mit Stolz.

 

 

Und jetzt geht es bald für uns auf Reisen. So schön die Zeit in den Perth Hills auch war, genauso freuen wir uns auf das was jetzt noch kommt. Wahrscheinlich werden wir nun für einige Wochen ohne Telefon- und Internetempfang sein, also möchte ich bitte, dass niemand die Polizei alarmiert, nur weil ich mich mal drei Tage nicht gemeldet habe ;) Soll alles schon vorgekommen sein...

21November
2013

Begegnung mit dem auch so bekannten Billy aus Schweden...

 

So, nach einiger Zeit ohne Lebenszeichen von mir, melde ich mich dann auch endlich mal wieder. Der Grund, weshalb ich so lange nichts geschrieben habe, ist der, dass eigentlich so gut wie nichts Spannendes passiert ist in letzter Zeit .

Vor zwei Tagen hatte ich mein 5-Monatiges in Down Under, ich kann es gar nichts fassen wie die Zeit rennt. Jetzt ist fast die Hälfte meines Aufenthalts hier schon um und ich gerade einmal gut einem Monat verlasse ich auch schon meine Gastfamilie.          Darüber bin ich im Moment allerdings gar nicht traurig. Die Kinder benehmen sich wirklich unmöglich, sowohl mir gegenüber, als auch ihren Eltern. Jeden Tag hat mindestens eines der kleinen Monster einen Riesenaussätzer und ist nur noch am Rumschreien und Umsichschlagen. Allerdings scheint meine Familie da zum Glück kein Einzelfall darzustellen, von anderen Au Pairs hört man genau das Gleiche. Der Junge einer Freundin von mir wurde diese Woche sogar von der Schule suspendiert, weil er sich nur noch daneben benommen hat. Sowas zu hören beruhigt mich in gewisser Weise immer ein wenig, so weiß ich zumindest, dass meine Familie nicht komplett aus dem Rahmen fällt.

Allerdings sind es zur Zeit nicht nur die Kinder, die mich immer wieder nerven, auch die Eltern tragen manchmal gehörig ihren Teil dazu bei. Diese Woche habe ich meinen Arbeitsplan bespielsweise mal wieder erst am Dienstag Abend bekommen, ist ja nicht so, dass ich auch ein wenig meine Woche planen möchte. Und, ganz nebenbei, wurde mir letzte Woche dann auch noch mitgeteilt, dass unsere Balireise aufgrund eines geplanten Umzugs innerhalb der nächsten paar Wochen um 4 Tage gekürzt wurde. Was soll man dazu sagen?! Am besten gar nichts. Da die Familie ab März selbst durch Australien reisen möchte, werden wir also des Weiteren noch vor Mitte Dezember zu den Großeltern ziehen, damit unser Haus verkauft werden kann...was für ein unnötiger Stress!

Doch dann kam das rettende Angebot von Tanja, der Deutschen in meiner Nachbarschaft. Wenn Anfang Januar meine Reisepartnerin aus Brisbane eingeflogen kommt, hat sie uns beide zu sich eingeladen in ihrem ausgebauten Schuppen kostenlos zu wohnen und als Ausgleich auf ihre Tiere aufzupassen, während sie im Urlaub ist, bedeutet einen Hund, zwei Hühner, zwei Meerschweinchen, zwei Vögel, Schlangen, Frösche und vielleicht bis dahin noch weiteres Getier zu füttern. Somit ist jetzt also auch endlich mein Ende in der Gastfamilie besiegelt. Julia, meine Reisepartnerin, hat gestern gerade ihren Flug gebucht und somit werde ich nur noch bis zum 9.Januar in meiner Gastfamilie bleiben, bevor mein Abenteuer dann richtig los geht. Darauf freue ich mich schon riesig!

Sowieso wird mir in letzter Zeit immer wieder bewusst wie viel Glück ich doch hatte Tanja kennenzulernen. Sie ist für mich sowohl australischer Mamaersatz, als auch Freundin und das ist manchmal genau das, was ich hier brauche. Wenn ich mal wieder total genervt bin von meiner Familie, fahre ich einfach auf einen Kaffee bei ihr vorbei und rede mir alles von der Seele. Und das tut soo gut! Jedes Mal, wenn ich von ihr nach Hause fahre, habe ich wirklich total gute Laune, was zum einen teilweise sicherlich an der körperlichen Arbeit liegt, die ich dort öfters mal im Garten o.Ä.verrichte, aber ganz sicher auch an der guten Gesellschaft.

Auch an den Wochenenden nimmt mich ihre Familie öfters mal irgendwo mit hin. Letzten Sonntag zum Beispiel waren wir im Yanchep Nationalpark, wo eine Oldtimeraustellung war, sowie einige weitere Stände, wo man unterschiedlichste Sachen kaufen konnte. Mein absoluter Favorit war dennoch der Snakesguy Gary. Bei ihm konnte man bis zu 2 Meter lange Schlagen halten und ein Beweisfoto machen. Diese Chance ließ ich mir natürlich nicht entgehen. Es war ziemlich lustig zu sehen, wie die unterschiedlichen Menschen auf den Anblick der Tiere reagierten. Da waren beispielsweise gut gebaute Männer mit Tatoos am ganzen Körper, die wahnsinnige Angst hatten eine Schlange überhaupt anzufassen und andererseits Dreijährige, die total aufgeschlossen und furchtlos an die Sache herangingen. Und zu guter Letzt die weltweit bekannten Japaner, die mit alles und jedem ein Foto machen mussten Unentschlossen

Nach einem schön ruhigen Nachmittag am Strand, war ich abends noch bei Tanja zum Babysitten, da sie auf einem Konzert war. Und als sie um kurz nach neun nach Hause kam, hatte sie doch glatt zwei Männer im Schlepptau, zwei Freunde, mit denen wir uns dann noch spontan für zwei Stunden, jeder mit seinem Bierchen, in ihren Schuppen gesetzt und bei Gitarrenmusik von „We are sailing“ bis über die Beatles bis hin zu „Countryroads“ so ziemlich alles gesungen haben, von dem wir den Text auch nur im Ansatz kannten. Auch wenn die drei anderen eine ganze Ecke älter waren als ich (der Älteste war 60), hab ich den Abend total genossen und genau solche Erlebnisse machen einen Auslandsaufenthalt meiner Meinung nach zu etwas Unvergesslichem.

Gestern hab ich dann endlich mal wieder ein kleines Heimatgefühl bekommen. Ich hatte von 8:30-17:30 Uhr frei und so bin ich mit Svenja, einem Au Pair aus der Nähe, nach Perth zu IKEA gefahren. Es war total lustig zu sehen, dass es Billy und Co. in genau den gleichen Ausführungen auch am anderen Ende der Welt zu kaufen gibt. Und mal abgesehn von den Schildern in englischer Sprache, fühlte man sich doch gleich wie im hamburger IKEA. Zu guter Letzt haben wir uns dann auch noch Köttbullar mit Pommes gegönnt. Es war wirklich ein total schöner Tag!

Ein weniger nette Begegnung hab ich dafür letzte Woche am Strand gehabt. Es waren über 35°C und so wollte ich mich gegen Mittag nur kurz im Meer abkühlen. Als ich jedoch noch nichtmal bis zum Bauchnabel im Wasser war, spürte ich plötzlich einen furchtbar stechenden Schmerz in der Ellenbeuge. Als erstes dachte ich, mich hätte vielleicht etwas gebissen, doch es war absolut nichts zu sehen. Also ging ich einfach doch noch eine Runde schwimmen. Kurze Zeit später allerdings, als ich dann auf meinem Handtuch saß, schwoll das Ganze ziemlich an, unterlief weiß mit schönem roten Rand. Zuhause guckte sich meine Gastmama die Stelle an und meinte sofort: „Jellyfish/ Qualle“. Na ja, aber mir geht’s inzwischen wieder gut und es tut auch nicht mehr weh.

Der Plan für nächsten Sonntag sieht endlich mal ein wenig Kultur. In Perth läuft dann eine Dokumentation über die Ausbeutung der Aborigines, der Ureinwohner von Down Under. Vorher wird es wohl noch ein kleines Konzert, ich bin mal gespannt. Anschauen werde ich mir das Ganze mit einer Freundin und, wie könnte es anders sein, Tanja und ihren beiden Kindern.


So, das war's erstmal wieder von mir. Ich gehe jetzt noch ein wenig das gute Wetter genießen. Hab gestern gerade vom ersten Schnee im Süden Deutschlands gehört, in diesem Sinne sende ich an alle armen Daheimgebliebenen mein herzlichstes Beileid Lachend


26Oktober
2013

Ich glaube, ich wohne am schönsten Ort der Welt!

Diese Woche musste ich gezwungendermaßen endlich mal wieder laufen gehen.

Am Dienstag fuhr ich die Kinder wie immer zur Schule. Da der Papa, welcher als Lehrer tätig ist, nachmittags jedoch das Auto brauchte, ließ ich es dort einfach stehen und bin am Strand entlang zurück nach Hause (ca. 5km) gejoggt. Und plötzlich sah ich irgendwas, auf den ersten Blick Undefinierbares, immer wieder aus dem Wasser auf und untertauchen. Eigentlich dachte ich mir nicht weiter viel dabei, als ich jedoch anhielt um einen genaueren Blick zu erhaschen, erkannte ich erst einen, dann zwei und zum Schluss sogar drei Delfine, die nicht mal 20 Meter vor der Wasserkante am Fischen waren. *_*

Gestern Abend dann der nächste Motivationsschub: Nach "Dienstende" um 18:30 zog ich wieder einmal meine Laufschuhe an, um gerade noch rechtzeitig zum Twilight (leider nicht mehr zum Sonnenuntergang) den Strand zu erreichen. Zu Anfang wunderte ich mich noch, warum bei herrlichstem "Frühlingswetter" nicht mehr Menschen draußen waren, aber je dunkler es wurde, desto klarer wurde mir die Antwort. Ich fühlte mich so ungefähr wie in einem heftigen Schneesturm, nur, dass die Temperaturen ca. 20° C wärmer waren und die Schneeflocken durch Millionen Mücken ersetzt wurden. Ich weiß nicht was unangenehmer ist. Das muss ich aber auf jeden Fall nicht so bald wieder erleben, zählt mit Sicherheit nicht unbedingt zu den Highlights meiner bisherigen Zeit hier!

Ansonsten ist diese Woche eigentlich nicht viel passiert. Ich war ziemlich faul, habe einige Vormittage einfach nur am Strand gelegen bzw. habe mich endlich dazu überwunden schwimmen zu gehen. Zugegeben, das Wasser ist echt noch ziemlich kalt, aber sobald man erstmal einige Minuten schwimmend überstanden hat, ist es wirklich herrlich.

Zudem habe ich meinen Nebenjob als Katalogzustellerin aufgegeben, da ich jeden Tag der Woche unterwegs wäre, keine Garantie auf einen angemessenen Verdienst hätte und mir meine Zeit in Australien ja auch ein bisschen entspannt gestalten möchte.

So und zu guter Letzt schicke ich noch einen ganz lieben Geburtstagsgruß an meine Lieblingsomi nach Deutschland. Ich hoffe, du genießt deinen Tag und bist nicht allzu frustriert darüber, dass du schon wieder ein Jahr älter geworden bist! Ich freue mich schon riesig übermorgen nach über vier Monaten endlich mal wieder persönlich mit dir zu quatschen und wollte dich nur heute wissen lassen, dass ich selbst wenn ich knapp 14000 Kilometer von dir entfernt bin, trotzdem an dich denke.

17Oktober
2013

Das Abenteuer Outbackcamping- an experience for a lifetime!

 

Nun war er also endlich gekommen, der langersehnte Urlaub mit meiner Gastfamilie. Da der Plan meiner Gasteltern gewesen war so früh wie möglich aufzubrechen, wollten sie, dass ich um halb 6 anfangen könnte zu arbeiten. Als ich um die Uhrzeit jedoch in die Küche kam, gab es die erste von so vielen unangenehmen Überraschungen an diesem Tag: Es war keiner da. Nach einigen Minuten bequemte sich dann zwar wenigstens meine Gastmutter aus dem Bett, brachte aber gleich die nächste schlechte Nachricht. Den beiden war doch tatsächlich nachts noch aufgefallen, dass wir nicht genügend Luftmatrazen hatten. Ist das noch zu fassen? Da plant man wochenlang einen Campingtrip ohne auch nur auf die essentiellsten Sachen zu achten. Hinzu kam noch, dass morgens noch nicht einmal der Anhänger, geschweige denn das Auto, gepackt waren.

Um 10:30 Uhr ging es dann aber endlich los. Allerdings kamen wir gerade einmal 100 Kilometer bis das Auto den Geist aufgab und die einzig vernünftige Lösung für uns war mit einer Durchschnittsgeschwindigkeit von nicht mehr als 50 km/h zurück nach Hause zu fahren. Dadurch verloren wir schon mal ca. 3 Stunden Zeit. Doch es kam noch wesentlich schlimmer...

Bis wir das andere Auto beladen hatten und erneut bereit zur Abfahrt waren, war es bereits früher Nachmittag und wir hatten immer noch 500 Kilometer vor uns. Trotzdem nahmen wir uns auf dem Weg noch Zeit bei den Pinnacles anzuhalten, einer Art Wüstenlandschaft mit gelblichen Kalksteinsäulen, die urplötzlich aus dem Boden ragen. Und weiter gings...Nachdem die Sonne direkt neben der Straße im Idischen Ozean versank, hatten wir wenigstens die halbe Strecke bereits hinter uns gebracht. Allerdings ist es in Australien unter gar keinen Umständen zu empfehlen in der Dunkelheit durch's Outback zu fahren, da einem dort gerne mal Kängurus, Emus oder sonstiges Getier vor Auto springt. Dieses Schicksal blieb uns zwar glücklicherweise erspart, aber dafür überhitzte sich gegen 21:30 Uhr der Motor unseres Autos leider so stark, dass mein Gastpapa sofort links an die Seite fahren musste. Mit allerletzter Kraft kamen wir glücklicherweise noch auf einen Parkplatz, sodass wir zumindest nicht unmittelbar neben der Straße stehen mussten.

 

Da standen wir nun also, im Stockfinsteren mit einer einzigen Taschenlampe, mitten im australischen Outback... Und da meine Gasteltern leider keine Mitglieder in der australischen Variante des ADACs sind, weigerten sie sich auch noch den Abschleppdienst zu rufen.

Die darauffolgenden zwei Stunden verbrachten wir nun mit Warten (auf was genau weiß ich bis heute nicht) und damit den atemberaubenden Sternenhimmel anzuschauen.

Um ca. halb zwölf dann die Erlösung: Ein furchtbar netter Roadtrainfahrer erblickte uns und hielt sofort an. Dieser konnte zwar auch nicht viel machen, er füllte aber wenigstens unsere Wasserflaschen auf, beleuchtete das Gelände, sodass wir unser Zelt aufschlagen konnten und lud eins der Handys auf, da natürlich nach einem Tag alle so gut wie leer waren. Somit war unser Schicksal dann also besiegelt und ich erlebte zum ersten und hoffentlich letzten Mal das Abenteuer Outbackcamping.

Am nächsten Morgen, unser Auto war immer noch ölverschmiert und offensichtlich nicht dazu in der Lage uns irgendwo hin zu transportieren, fuhr mein Gastpapa per Anhalter in die nächste Stadt, um ein Leihwagen zu organisieren, während ich mit den Kids und der Mutter im Zelt blieb. Wir konnten noch nicht einmal an die frische Luft, da es in der Sonne extrem heiß war, und einem zudem die Fliegen draußen zu Hunderten in Augen, Nase, Ohren oder Mund flogen. Da war es im Zelt doch schon angenehmer, wenn auch heiß. Nach fünf Stunden kam dann auch endlich mein Gastvater zurück, in einem Minenarbeitertransportauto mit zwölf Sitzen, einer Signalleute und Fahne auf dem Dach. Aber wenigstens konnten wir so doch noch weiterfahren und hatten zumindest einen Tag „Urlaub“, an dem wir eine Schlucht besichtigten und im Pool des Campingplatzes schwimmen gingen.

 

Mein Roadtrip am darauffolgenden Wochenende fiel aufgrund des kaputten Autos leider ins Wasser, aber wenigstens das Wetter ist inzwischen echt zum Aushalten und ich konnte diese Woche auch endlich zum ersten Mal im Meer schwimmen.

 

Doch das wahrscheinlich Beste, was ich letztes Wochenende gemacht habe, ist deutsches Brot zu backen. In unserem örtlichen Supermarkt sah ich schon seit Wochen eine Backmischung mit Aufschrift „German Grain Bread Mix“ und nun habe ich sie endlich gekauft.

Zuerst war ich zwar noch ein wenig skeptisch, aber das Ergebnis kann sich wirklich sehen lassen. Ab jetzt werde ich hier mit Sicherheit regelmäßig Brot backen, koste es was es wolle. Es geht einfach nichts über ein ordentliches, sättigendes Vollkornbrot. Das wissen die Australier nur noch nicht. Aber vielleicht bekomme ich sie ja noch davon überzeugen.

 


04Oktober
2013

Jobs über Jobs =)

 

Der Frühling lässt weiterhin auf sich warten...

 

Ja, was soll man davon halten. Schon seit Wochen erinnert das Wetter hier jetzt mehr an norddeutsches Schmuddelwetter als an australische Sonne. Langsam hab ich echt die Schnauze voll davon, da stellt man es sich in Down Under ja doch ein bisschen anders vor.

 

Vor einigen Wochen gab es für mich die erste Begegnung mit einer typisch australischen Spinne: der sogennanten Redbagspider. Für Erwachsene sind die Viecher zwar relativ harmlos (Zitat meines Gastpapas:“ Schon seit 50 Jahren wurde keiner mehr von einer Redback umgebracht“), wenn die einen beißt tut es angeblich jedoch ganz schön weh.

Ich saß also nichtsahnend abends im Esszimmer, als plötzlich mein Gastvater aus der Garage kommt und mir unbedingt die zweitgiftigste Spinne Australiens zeigen will. Meine Begeisterung darüber hielt sich zwar in Grenzen, ein bisschen neugierig war ich aber dann doch. Und was dann kam, hat mich doch ein wenig überrascht bzw. verunsichert. Die Spinne hatte einen Durchmesser von nicht mal 2 cm und war eigentlich total unscheinbar. Daraus habe ich gelernt, dass man prinzipiell vor allen Spinnen in Australien lieber erst mal Respekt haben sollte.

 

Inzwischen habe ich echt so eine gewisse Routine in meinem Tagesablauf und mir auch so richtig mein eigenes Leben aufgebaut. Ich habe jetzt auch endlich einen Büchereipass, sodass ich nicht immer nur vor dem Laptop hocke, sondern stattdessen englische Bücher lese. Als ich vor ein paar Wochen das erste Mal in der Bibliothek war, habe ich dort einen Zettel gesehen, auf dem stand: „English Conversation Class, each Friday from 9:30-11 am“. Ich hatte ehrlich gesagt überhaupt keine Vorstellung davon, aber da ich freitags sowieso alle drei Kinder zur Schule bringen muss und auf dem Rückweg dort vorbeikomme, ging ich einfach mal dorthin. Dieses Angebot gibt es in Australien glaube ich in so ziemlich jeder Bücherei und wird kostenlos von Freiwilligen durchgeführt. Die Gruppe war total gemischt mit Leuten aus der ganzen Welt: ein Ehepaar aus Idien, zwei Leute aus Russland, eine Mexikanerin, eine Ägypterin, ein Pakistani, die beide Freiwilligen aus Irland und England und ich aus Deutschland. Die meisten konnten zwar nur ziemlich schlecht bis fast überhaupt kein Englisch, aber dadurch wurde es erst richtig witzig. Ich glaube, seit ich hier in Australien bin, habe ich selten so viel gelacht wie da.

Also ist das jetzt definitiv ein fester Bestandteil meiner Wochenroutine.

Insgesammt werde ich langsam auch ein wenig aktiver, kenne jetzt mehr Leute und dadurch verdiene ich erstens durch Babysitting etc. mehr Geld :D und zweitens fühle ich mich langsam richtig zu Hause.

Vor einigen Wochen habe ich einfach mal einen Zettel im Supermarkt aufgehängt, ob nicht irgendjemand in der Nähe einen Babysitter sucht. Nicht, dass ich damit gerechnet hätte, dass überhaupzt irgenjemand diesen liest, aber schaden konnte es ja nicht. Und voilá, einige Tage später hat sich gleich eine Deutsche gemeldet, die zwar eigentlich nicht auf der Suche nach einer Kinderbetreuung war, ab und zu aber einfach mal gerne ein wenig deutsche „company“ hätte. Und nicht nur, dass sie ursprünglich aus Elmshorn kommt, nachdem sie mich kennengelernt hat, sucht sie jetzt ständig nach irgendwelchen Kleinigkeiten im Haus, bei denen sie meine Hilfe benötigt. Letzte Woche beispielsweise habe ich eine Wand gestrichen, demnächst muss der Schuppen ausgemistet werden etc.

Und letzte Woche hab ich noch einen weiteren Anruf von einer Familie bekommen, die nur 300 Meter von mir weg wohnt und die gerade erst mit ihren drei Töchtern (8, 13, 13 Jahre) aus Manchester hierher gezogen sind. Da die Eltern ab und zu abends mal ein wenig die Gegend und das Nachtleben erkunden wollen und die Kinder hier ja noch neu sind, wäre es ihnen lieber, wenn jemand auf sie aufpassen würde, was mir natürlich gelegen kommt. Dieser Job wird ungefähr einmal die Woche sein und ob ich nun abends zuhause sitze, oder bei denen und gleichzeitig dafür bezahlt werde, ist mir ja ganz egal.

Den wahrscheinlich besten Job allerdings hab ich vorletztes Wochenende ergattert. Eine Frau in der Nachbarschaft, die bis vor Kurzem auch ein deutsches Au Pair hatte, feierte ihren 40. Geburtstag und hat mich und eine Freundin gefragt, ob wir nicht Lust hätten den Cateringservice zu übernehmen. Wir hatten so gut wie keine Vorstellung, was wir dort zu tun hätten und so waren wir doch ziemlich positiv überrascht, als unsere einzige Aufgabe war, Partyfood im Ofen aufzuwärmen, Müll wegzuräumen und uns den Bauch mit Essen vollzuschlagen :D Und dafür noch eine Menge Geld zu bekommen war natürlich perfekt :P

 

Im Moment haben die Kinder Schulferien, wodurch der ganze Tag echt entspannt ist, da wir alle nicht so im Stress sind. Jetzt sind wir allerdings gerade mitten in den Vorbereitungen für einen kleinen Campingtrip nach Kalbarri, was ca. 600 Kilometer nördlich von Perth liegt. Sonntag solls losgehen und wir bleiben dort für drei Nächte. Ich bin mal gespannt! Und damit nicht genug, für das darauffolgende Wochenende habe ich noch einen weiteren Roadtrip geplant, wo ich mit einigen anderen Au Pairs für 2-3 Tage Richtung Süden nach Magaret River möchte.

 

Ich finde es wirklich toll von meiner Gastfamilie, dass sie mich einfach so bedingungslos mit in den Urlaub nehmen. Was ich von anderen gehört habe, gibt es nicht so viele Gastfamilien, die das mit ihren Au Pairs machen. Und nicht nur, dass meine Gastfamilie diese Ferien mit mir Campen fährt, letzte Woche haben sie dann noch eine weitere Bombe platzen lassen und 12 Tage Bali (juhu :D) im Dezember für uns alle gebucht, Wahnsinn!

 

So, das wars erstmal wieder von mir.

Bis hoffentlich bald!

 

 

 

 

25August
2013

City To Surf

Heute war es endlich soweit. Ich trat meine wahrscheinlich bis jetzt härteste Prüfung, seit ich in Australien bin, an: 21,1 Kilometer quer durch die Innenstadt von Perth. Nachdem ich um Viertel vor 6 in Ruhe aufgestanden war, gab es als Powerfrühstück Toast mit Butter, Honig und Banane, yummi.

Danach fuhr ich mit der Bahn Richtung City. Von Bahnhof zu Bahnhof stiegen mehr Leute in Laufsachen ein und in der Innenstadt pilgerten wir dann zu Tausenden zum Messegelände, von wo es losging. Und siehe da, auf einer Treppe beim Eingang saß doch tatsächlich ein Mann mit einem T-Shirt vom Stadtlauf München. Ist doch immer wieder schön auch soweit von zu Hause weg Landsleute zu treffen! Nachdem ich meine Klamotten beim Clothing Service abgegeben hatte, ging es für mich weiter in den Aufwärmraum, einer riesigen Messehalle allein für die Teilnehmer des Halbmarathons. Als ich ca. eine Stunde vor dem geplanten Start dort ankam, waren außer mir nur ein ganz paar Andere dort. Doch nach und nach kamen immer mehr Leute hinzu. Ich hatte natürlich überhaupt keine Ahnung wie das Ganze abläuft, also machte ich einfach das, was alle anderen auch taten: Ich fing an mich zu dehnen. Ungefähr eine halbe Stunde vor Start bekamen wir dann alle eine kleine Einführung und anschließend gab es ein Aufwärmprogramm. Da standen mehrere hundert Menschen vor einer großen Leinwand und machten das nach, was in dem Video gezeigt wurde, war schon irgendwie ein kleines bisschen witzig. Aber es waren echt gute Übungen und danach fühlte ich mich dann auch langsam bereit zu starten.

An einer Wand mitten in der Halle entdeckte ich plötzlich ein Plakat von Mc Donalds, ziemlich unpassend zu diesem Anlass.

Nach dem Aufwärmen stellten wir uns alle vor dem riesigen Ausgangstor auf und warteten bestimmt eine halbe Stunde darauf, dass wir endlich loslaufen durften. Allerdings war das  der Start noch ungefähr einen halben Kilometer weg und so mussten wir erst einmal dorthin gehen, was eigentlich gar nicht so schlecht war, denn so wurde man schon mal ein bisschen warm.

Und los gings: Der erste Kilometer war von der Strecke her der schlimmste, denn es ging kontinuierlich bergauf in den Kingspark, der bestimmt höchsten Erhebung in Perth. Durch den Park ging es zwar vorerst wieder bergab, aber ich wusste die ganze Zeit, dass wir das Ganze auch wieder hoch laufen mussten, zumal die Strecke hier mehr oder weniger im Kreis verlief. Zum Glück hatte ich mich nicht weiter mit den Höhenunterschieden der zweiten Hälfte der Strecke beschäftigt, ansonsten hätte ich es mir glaub ich zweimal überlegt, ob ich mitlaufen wollte oder nicht. Ich hatte ja bis jetzt noch keinerlei Erfahrung mit solchen Wettkämpfen, aber ich habe es als extrem schrecklich empfunden, wenn man auf einer geraden Strecke läuft, vor einem einfach mal ein Berg auftaucht und man genau weiß, dass man diesen am besten laufend erklimmen muss. Na ja mein einziges Ziel war es die Ziellinie überhaupt zu erreichen und durchzulaufen ohne zwischendurch anzuhalten. An Ersterem zweifelte ich eigentlich nicht eine Sekunde aber Letzteres wurde gerade an den für Norddeutsche Verhältnisse recht hohen Bergen zu einer echten Herausforderung. Aber nach unzähligen sowohl psychischen als auch physischen Höhen und Tiefen, kam ich ohne nennenswerte Stops im Ziel an. Die einzigen Unterbrechungen, die ich mir alle zwei Kilometer gönnen musste, waren die an den Water Stations. Denn jeder, der schon mal versucht hat im Laufen aus einem Becher Wasser zu trinken, weiß, dass das absolut nicht funktioniert. Habe auch ich heute festellen dürfen. Lachend

An der Ziellinie war nicht nur eine Art riesiges Volksfest, sondern auch irgendwo mitten drin mein Gastpapa mit Zweien der Kinder. Nachdem ich also meine Medaille in Empfang genommen hatte und eine Frau mir erzählt hatte wie gut es ihr getan hatte sich die ganze Zeit an meinem Lauftempo orientieren zu können, machte ich mich auf die Suche nach ihnen, was absolut hoffnungslos war. Auf meine Anrufe und SMS reagierte er allerdings auch nicht, da sein Handy, wie ich hinterher erfuhr, passenderweise zu Hause am Ladekabel hing. Also holte ich mir erstmal meinen Kleiderbeutel ab und lief ein wenig über das Gelände, als ich plötzlich in mitten tausender anderer Menschen meinen kleinen Gastbruder entdeckte, der auf mich zugelaufen kam. Es grenzte schon an ein kleines Wunder, dass wir uns gefunden hatten und so fuhren wir nach einer Runde Churros lieber wieder nach Hause, denn alle waren müde und erschöpft.

 

21August
2013

Von australischer Esskulutur, meinem ersten Sonnenbrand und der Zahnfee...

Tja, ich und das Essen Lachend. Aber mal im Ernst: Wenn sogar schon mein Gastpapa zugibt, dass es in Australien so gut wie keine Esskultur gibt, dann finde ich das schon bedenklich. Allerdings ist es dann für mich natürlich auch nicht schwer mit meinen Kochkünsten zu glänzen.                                                                                                   Was es hier manchmal zu essen gibt ist aber auch wirklich abenteuerlich. Das Gemüse sowie Kartoffeln werden grundsätzlich in der Mikrowelle zubereitet, Soße gibt es so gut wie nie und das typisch deutsche Brot gibt es hier auch nicht. Stattdessen isst man Unmengen an Toastbrot in allen möglichen Variationen. Keine Wunder, dass die meisten Au Pairs in ihrer Anfangszeit erstmal ein paar Kilos zulegen. Mir blieb das zwar zum Glück erspart, aber zwei- bis dreimal die Woche laufen zu gehen ist auch nicht immer ein Zuckerschlecken.

Doch zumindest über das Wetter können wir uns echt nicht beklagen. Die letzten Tage waren immer so knapp 25° und strahlend blauer Himmel. Gestern war ich mit einem Au Pair aus dem Nachbarviertel stundenlang am Strand und als ich nach Hause kam, hatte ich natürlich gleich einen fetten Sonnenbrand auf der Schulter. Aber ansonsten bin ich echt schon ziemlich braun und blond geworden, wenn man bedenkt, dass das ja im Moment tiefster Winter ist. Allerdings frag ich mich dann auf der anderen Seite auch, wie ich es im Dezember bei 45° aushalten soll. Aber wahrscheinlich bewege ich mich dann nur noch von zu Hause an den Strand und wieder zurück.

Und damit ich das angenehme Wetter so gut wie möglich auskosten kann, bin ich im Moment so gut wie täglich draußen und treffe mich mit anderen Au Pairs. Zum Glück habe ich inzwischen noch ein paar weitere in meiner Gegend ausfindig gemacht, sodass ich auch nicht immer bis in die Innenstadt fahren muss. Am Wochenende mach ich das dann meistens trotzdem, einfach weil es dort ein bisschen mehr zu sehen gibt. Vorletztes Wochenende zum Beipiel war ich mit einem Mädchen in einem Pay-What-You-Want-Restaurant, wo es ein vegetarisch-indisches Buffet gibt. Das liegt zum einen direkt am Swan River und zum anderen zahlt man ohne Witz nur so viel wie einem das Essen wert ist. Natürlich sollte man jetzt nicht zu viel erwarten, da das Restaurant von Freiwilligen geführt wird, deren Hauptziel ein bisschen gutes Karma ist. Aber dafür, dass man sich theoretisch umsonst den Bauch vollfressen kann, ist das ganze doch echt eine nette Idee.

Letzte Woche war es dann endlich so weit: Ich hatte meine erste Begegnung mit einer australischen Spinne. Nachdem ich die Kinder von der Schule abgeholt hatte und drinnen aufräumte, kam plötzlich aus dem Garten ein Aufschrei: GIFTIGE SPINNE! Na toll, die Eltern waren, wie hätte es auch anders sein können, nicht da. Also musste ich mich dem Monster wohl oder übel annehmen. Aber, wie zum Teufel entfernt man bitte in einem komplett ummauerten Garten, der zudem echt winzig ist, ein solch haariges Ungeheuer?! Meine Rettung war das noch nicht fertig gestellte Hochbeet! Ich nahm also den Stuhl, an dem das Biest hing, und schüttelte ihn einmal heftig, sodass sie dort hinnein fiel. Ich habe sie zwar schon nach wenigen Sekunden nicht mehr gesehen, aber herauskrabbeln konnte sie mit Sicherheit nicht.Ob das Viech wiklich so gefährlich war wie es aussah weiß ich zum Glück nicht. Aber wenn mir ein australisches Kind so etwas erzählt, glaube ich das lieber mal, auch wenn es erst 6 Jahre alt ist.

Abends hat Joshua dann endlich seinen Zahn verloren, der schon seit Wochen am Wackeln war. Feinsäuberlich hat er ihn in ein Taschentusch gewickelt und einen Hinweis an die Zahnfee geschrieben, damit sie ihn auch findet. Aber aus irgendeinem Grund kam sie leider nicht, was für ein Kind natürlich unerklärlich ist. Er war dann der Überzeugung, er hätte den Zahn vielleicht nicht gut genug geputzt. Bei dem Versuch allerdings, ihn nachträglich noch zu säubern, fiel er ins Abflussrohr und war auch nicht wieder herauszubekommen. Da Joshua darüber ziemlich traurig war, habe ich ihm dann einfach erzählt, die Zahnfee sei so klein, dass sie dort hinneinfliegen könne, um sich den Zahn zu holen. Daraufhin musste ich ihr dann erstmal einen Brief schreiben, in dem ich ihr erklärte, was passiert war und wo sie den Zahn finden könne.

Am Freitag gab es in der Schule der beiden Größeren einen kleinen Kostümumzug und da die Eltern beide arbeiten mussten, ging ich dort hin. Im Prinzip ist jedes Kind nur einmal über die Bühne gelaufen um sein Kostüm zu präsentieren, aber es war trotzdem total niedlich, wie stolz alle waren und wie sehr sich meine Beiden gefreut haben, als sie mich sahen.

Überhaupt ist glaube ich das Schönste für mich als Au Pair noch einmal zu sehen, wie einfach die Welt in Kinderaugen ist. Als ich die Kleinste, 2 Jahre alt, heute Mittag beispielsweise schlafen gelegt habe, hat sie nach einiger Zeit einfach ihren Pyjama ausgezogen, die Windel abgenommen und ein Häufchen ins Bett gemacht. Als ich dann irgendwann in ihr Zimmer kam um nach ihr zu schauen, stand sie in ihrem Gitterbett und hat mich angegrinst. Irgendwie war das schon ziemlich eklig, aber bei dem Charme, den sie versprüht, konnte ich ihr gar nicht böse sein.

Letztes Wochenende hab ich endlich zum ersten Mal die Chance bekommen ein Stück australische Sportkultur hautnah mitzuerleben. Ganz in der Nähe hat ein Footballclub als PR-Aktion so eine Art Tag der offenen Tür veranstaltet, wo meine Gastfamilie mit mir hinging. Ich versteh die Regeln zwar ehrlich gesagt immer noch nicht so wirklich, was auch nicht so ganz einfach ist, wenn man mit der deutschen Bundesliga groß geworden ist. Aber für Fußball interessiert sich der Australier laut meinem Gastpapa nur, wenn sich die Nationalmannschaft für ein internationales Turnier qualifiziert. Ansonsten guckt man eher AFL (Australian Football League). Da ich aber sowieso die meiste Zeit in der Schlange beim Kinderschminken verbrachte, habe ich eh nicht allzu viel vom Spiel mitbekommen.

 

Heute hab ich mir den absoluten Höhepunkt geleistet: Morgens musste ich auf die beiden Mädels aufpassen und als die Mama bis zum Mittag immer noch nicht zurück war, hab ich sie gefragt, was sie gerne essen würden. Sie wollten Nudeln, also keine unlösbare Aufgabe. Ich fing also an zu kochen. Zu meiner Verteidigung muss ich sagen, dass in unserer, wie in so ziemlich jeder australischen Küche, ein Gasherd ist. Direkt daneben, was ich leider nicht gesehen habe, lag ein Geschirrhandtuch. Auf einmal fing es in der Küche an total komisch zu riechen und bevor mir bewusst wurde wo dieser Geruch herkam, sah ich auch schon die Flammen aufsteigen. Gesteisgegenwärtig schmiss ich das Handtuch durch die Hintertür nach draußen und trampelte darauf herum, um die Flammen zu löschen, gerade noch rechtzeitig. Aber meine Gasteltern fanden das im Nachhinein gar nicht so schlimm, als ich ihnen das heute Abend erzählte. Mein Gastpapa meinte sogar, das sei ihm auch schonmal passiert. Da bin ich aber beruhigt Zwinkernd

So und zu guter Letzt gebe ich schonmal einen kleinen Ausblick auf meinen nächsten Eintrag. Darin gibt es dann, wenn alles gut geht, eine kleine Überraschung. Ich verrate bis jetzt nur so viel, dass es was mit meinem neuen Hobby, dem Laufen, zu tun hat. Also seid gespannt...

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